Zwei Gangs, eine Stadt
 
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U-Bahn

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BeitragThema: U-Bahn Mi Sep 24, 2014 6:57 pm


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Chairo Saeyang
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BeitragThema: Re: U-Bahn So Feb 07, 2016 10:35 pm


F I R S T P O S T
A L E S S I A G I O R D A N O
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Das Wetter, immer war es das Wetter, das einem einen Strich durch die Rechnung machte. Ab und an war das zwar gut - wer wollte schon auf den Geburtstag eines fernen Verwandten, die Hände der Leute schütteln, die man vielleicht von Erzählungen und Bildern kannte, persönlich allerdings nie wirklich kennen lernen wollte um sich gen Ende nur melancholisch angehauchte Familiengeschichten anzuhören? - doch heute hätte er darauf verzichten können. Wie gerne Sinh nur wieder sein Auto zurück hätte, doch momentan das ihm vorhandene Geld auszugeben konnte er sich beim wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten, wie leid es ihm für das Auto und sich selbst auch tat. Doch hätte er mit Auto nun nicht das Problem, mit dem er gerade innerlich kämpfte. Zwar hatte er noch sein Motorrad, eine wirklich schöne Maschine, doch erlaubten die glatten Straßen es ihm nicht, einfach so von A nach B zu fahren. Wobei, an sich schon, mehr war es sein gesunder Menschenverstand, der ihm hierbei im Weg stand. Eine andere Möglichkeit, als verfügbare öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, blieb dem 22-Jährigen also nicht. Genau deshalb stand Sinh nun seit geschlagenen 14 Minuten an der U-Bahn Station, den Blick leicht genervt gen Boden gerichtet, die Hände in der Manteltasche vergraben. Momentan schienen seine vom Schnee verdreckten Schuhe doch interessanter als seine Umgebung. Überall Leute, die auf ihren richtigen Zug warteten, teilweise die Einkäufe mit sich herumschleppten oder stur auf den Bildschirm ihres Handys starrten - nichts besonderes. Alltägliche Dinge, auf die er dann doch nicht achten wollte. Wie aufmerksam der Kerl sonst auch war - was ihn trotzdem nicht davor bewahrte, in das ein oder anderen ausgespuckte Kaugummi zu treten - momentan schien nichts seiner Aufmerksamkeit wirklich wert zu sein, sah man einmal von ihm selbst ab. Außerdem, er dürfte hier immerhin noch um die 19 Minuten warten, soweit er das mitbekommen hatte. Da sagte mal einer, die U-Bahn wäre schnell und zuverlässig - von wegen. Offensichtlich ja nicht. Doch schien Sinh nicht der Einzige zu sein, den das Ganze dezent ankotzte.
19 Minuten, bald 18, in denen er nichts zu tun hatte. Das nur, weil die Glühbirne in seinem Büro durchgebrannt war. Und natürlich lagerte er zuhause keine Ersatzglühbirnen, darauf sollte man jemand kommen. Der Sommer war zwar nie der Favorit unter seinen Lieblingsjahreszeiten gewesen, doch hatte dieser die äußerst nette Angewohnheit, die Tage etwas länger zu gestalten. Im Januar dagegen schien man schon gegen 18 Uhr die eigene Hand vor Augen nicht mehr zu sehen. Folglich war eine funktionierende Lampe so gut wie lebensnotwendig, wenn er sich die Augen nicht völlig zerstören wollte. (Wirklich viel war da zwar nicht mehr zu zerstören, aber provozieren musste man es ja trotzdem nicht.) Dass der Bildschirm des Computers alleine nicht ausreichte, um ein ganzes Büro zu beleuchten, wusste er inzwischen auch schon. War ja nicht das erste Mal, dass die Glühbirne sich spontan und mit einem lauten Knall, der ihm zudem die Kaffeetasse gerade aus der Hand gefegt hatte, verabschiedet hatte. Einen Kaffee könnte er nun auch wirklich gebrauchten - und damit meinte er wirklichen Kaffee, nicht die wässrige Brühe, die man hier und da im Pappbecher für eine Murmel und 'nen Knopf kaufen konnte. Ehrlich, wer sollte das trinken? Ungenießbar. Da konnte man ihn verwöhnt nennen, wie man wollte - wenn er bei etwas pingelig war, dann bei dem Kaffee, den man ihm vorsetzte. Wobei auch das nur eine bestimmte Zeit anhielt. Irgendwann war das Verlangen nach Koffein zu groß, als dass er wirklich wählerisch sein wollte.
"Hrrm-" entwich es ihm bei dem sehnsüchtigen Gedanken nach Kaffee. Immerhin war die Maschine nicht kaputt, Kaffeebohnen hatte er auf Vorrat - alles in bester Ordnung. Fast, als würde ihn der Gedanke beschwichtigen, hob er den Kopf, ließ den Blick der hellgrauen Augen über seine Umgebung schweifen und beobachtete kurz eine Gruppe Jugendlicher am Rande des Geschehens. Hatten auch nichts besseres zu tun, als sich gegenseitig die Bierflaschen zu klauen und eben diese schließlich auf dem Boden zu zerschmettern, auf das jemand genau hinein flog. Wobei Sinh selbst sich nur für seinen Sinn für Balance bedanken konnte - doch war eben nicht jeder mit eben diesem gesegnet. Was allerdings auch nicht wirklich sein Problem war, wenn er genauer darüber nachdachte. Was jedoch sein Anliegen war, war das Klingeln seines Handys in seiner Manteltasche, was er, trotz des aufdringlichen Klingeltons, einfach stur ignorierte.
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Alessia Giordano
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BeitragThema: Re: U-Bahn So Feb 07, 2016 11:52 pm

Menschen zu beobachten hatte etwas interessantes. Wenn man sich selbst in der Masse befand, würde einem nie das Ausmaß des Ganzen bewusst werden. Jeder von ihnen hatte ein eigenes Leben, seine eigenen Erfahrungen gemacht und besaß ebenso eigene Gefühle. Jeder hatte eine Geschichte, doch der Gedanke daran, dass abseits von einem selbst ebenfalls noch eine Welt war, erschien der Brünetten nur schwer zu glauben. Man lebte immer für sich selbst, man lebte sein eigenes Leben und egal wie viele Leute auf einen Einfluss nahmen, es würde noch immer dein Leben bleiben. Das Schauspiel der Menschen war wohl am besten in der U-Bahn zu beäugen. Viele Menschen liefen umher, so viele unterschiedliche Welten prallten aufeinander und wenige Sekunden später konnte ihre Bekanntschaft schon zu Ende sein. Alessia stand etwas abseits der Gleise und fummelte an ihrer Polizeijacke herum. Einige der Menschen blickten zu ihr. Manche schenkten ihr einen respektvollen Blick, andere hingegen zeigten mit einem spöttischen Grinsen in ihre Richtung. Wahrscheinlich war sie selbst zu stolz um all das wahrzunehmen und Aufmerksamkeit zu schenken, denn neu war ihr es nicht mehr. Irgendwann lernte man mit den Blicken umzugehen und verstand auch, dass ein Großteil der Bevölkerung die Polizei als den Buhmann sah. Wenn jemand in Großstädten an etwas Schuld war, dann waren es die Gesetzeshüter. Nicht die Leute in den Gangs, nicht die Drogen- und Waffenhändler. Jeglicher Unruhestifter hatte einen besseren Ruf, als diese Berufsgruppe. Alessia gehört zu beidem, sie vertrat das Gesetz während ihrer Arbeit und abseits davon, schob sie krumme Dinger im Untergrund. Es lastete sie aus, ließ sie vergessen was im Dienst immer passierte. Nicht alles war rosig, auch wenn man mit sich Waffen trug. Dies würde sie auch noch an diesem Abend erfahren, denn zuvor war ihr Job als Polizistin in der Stadt die niemals schlief eher unspektakulär. Einige Einsetze durch die Gangs, ein paar Prügeleien und Streitigkeiten. Viel Zeit verbrachte sie einfach im Büro, musste Berichte verfassen und dabei ihre Gedanken ordnen. Auch wenn es den Anschein hatte, dass sie die junge Frau nicht so schnell aus der Fassung bringen ließ, machte sie sich trotzdem Gedanken über einige Fälle. Wenn Kinder im Spiel waren oder jemand Unbeteiligtes den Tod fand. Egal wie selbstsüchtig Alessia ab und an erschien, egal war es ihr sicher nicht.
Ihr Blick huschte ein weiteres Mal über die Menge an Menschen. Eine Gruppe Jugendliche riss ihre Aufmerksamkeit jedoch an sich. Diese schmissen Glasflaschen auf den Boden und empfanden dies wohl als sehr lustig. Alessia hob nur die Augenbraue und wartete ab. Sie war nicht mehr im Dienst, auch wenn sie noch ihre Uniform und alles trug, und trotzdem war sie verpflichtet im Notfall einzugreifen. Erst als jemand in die Glasscherben fiel und die Jugendlichen nicht aufhörten, sogar noch weitere Flaschen in Richtung der am Boden liegenden Person warfen, überspannten sie Alessia’s Geduld. Stöhnend lief sie auf die Jugendlichen zu. „Geht’s noch?“, sagte sie kratzbürstig. Eigentlich war das nicht ihre Art, zumindest nicht anfänglich wenn sie Polizistin war. Doch sie hatte Alessia im falschen Augenblick getroffen, denn in ihrer Freizeit hielt sie sich sicher nicht an die ihr vorgeschriebenen Regeln. Eine der jungen Männer blickte die Brünette belustigt an, vielleicht auch etwas angeheitert. Zumindest ging von ihnen starker Alkoholgeruch aus und auch ihr Gang schien nicht mehr ganz so geradlinig zu verlaufen. Die Männer hörten nicht auf, öffneten die nächsten Flaschen und kippten diese, bevor sie diese wieder auf dem Boden zerschmetterten. „Verschwindet von hier und wir werden keine Probleme miteinander bekommen. Wenn nicht, erlebt ihr gleich eine ganz andere Seite von mir.“, knurrte Alessia die Jugendlichen an. „Sollen wir jetzt Angst haben?“, witzelten diese jedoch nur und kamen mit einer halb zerbrochenen Glasflasche auf die junge Polizistin zu. „Süße, du glaubst doch nicht etwa du könntest uns etwas anhaben.“ Sie standen vor ihr und Alessia versuchte in ihrer Tasche die Pistole zu ertasten. Sie durfte keinen Jugendlichen notfalls ins Bein schießen, okay theoretisch schon. Aber in dem Fall würde alles zu Gunsten der Minderjährigen ausgelegt werden und sie wäre ihren Job los. Genauso wie den Stolz ihres Vaters, dass sie den Beruf der Polizistin ausführte.
Einer der Typen packte sie am Arm. Sein Griff war fest und schnürte ihr die Blutzufuhr ab, sodass Alessia die Pistole losließ und sich versuchte zu wehren. Normalerweise durfte sie so etwas gar nicht alleine angehen, denn es war vorgeschrieben dass es für solche Situationen einen Partner gebrauche. Nur, dass dieser wahrscheinlich schon Zuhause bei Frau und Kind saß und sie selbst sich mit so etwas befassen musste. Erst als eine Frau ihr Pfefferspray drohend zückte und die Männer abgelenkt waren, war es der Brünetten möglich sich zu befreien. Sie selbst zückte den Schlagstock und schaffte es irgendwie die Jugendlichen vom Bahnsteig zu vertreiben. Nachdem sich Alessia der Höflichkeit halber bei der Frau bedankt hatte und am liebsten einfach aus der U-Bahn Haltestelle gerannt wäre, drehte sie sich um und lief in einen Mann hinein dessen Handy klingelte. Alessia war furchtbar durch den Wind und hätte jetzt am liebsten etwas Luft geschnappt. Nicht, dass sie so etwas normalerweise aus der Fassung brachte, trotzdem war New York noch nicht so ganz ihres. Sie vermisste dann doch irgendwo Washington, vielleicht auch weil sie sich dort auskannte und sich nicht wie eine Fremde fühlte.
Sie blickte den Mann flüchtig an. „Ich…’tschuldigung.“, murmelte sie hastig, obwohl sie sich eigentlich nie entschuldigte. Sie bereute es nicht ihr Auto genommen zu haben, doch am heutigen Morgen hatte sie noch einiges zu erledigen gehabt und war zu Fuß zur Arbeit gekommen. Und ihr Motorrad stand ebenfalls Zuhause, wo es wohl im Winter auch besser aufgehoben war. Noch immer waren es ungefähr zehn Minuten, die sie überhaupt von der U-Bahn trennten. Und weitere zehn Minuten bis sie wieder aussteigen konnte um Nachhause zu gehen. Ihr Arm tat furchtbar weh und sie spürte, dass sie einen üblen blauen Fleck bekommen würde. Sie rieb sich über ihre Jacke und hoffte, dass es so irgendwie besser wurde.
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Chairo Saeyang
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BeitragThema: Re: U-Bahn Mo Feb 08, 2016 1:22 pm


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Es erinnerte Sinh ein wenig an seine eigene Jugend. Nicht, dass er damit sein Alter betonen wollte - so steinalt war er immerhin nicht, vielleicht in den Augen der ein oder anderen, faktisch gesehen hatte er allerdings erst ein Drittel seines Lebens hinter sich - doch würde er heute wohl auf andere, nicht minder dumme Ideen kommen, in die allerdings kein Alkohol involviert wären. Inzwischen hatte der Informant gelernt, die brennende Flüssigkeit zu meiden. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch, weil er sich die Effekte lieber bei anderen zu Nutzen machte. Sollte er an Informationen aus dem Mund eines Betrunkenen kommen, war das schön und gut, wäre er selbst berauscht, könnte er diese allerdings nicht verarbeiten, es sich nicht merken und das ganze wäre völlig umsonst gewesen. Ein Glas Rotwein hier und da, klar, das gehörte dazu, doch sich ernsthaft zu betrinken käme ihm nicht mehr in den Sinn. Zudem, wenn er so beobachtete, wie die Jugendlichen von rechts nach links dirigierten, desorientiert die Blicke schweifen ließen und sich schließlich auf die am Boden liegende Person konzentrierten, wusste er gleich, dass es nichts mehr für ihn wäre. Fast hätte er seine Aufmerksamkeit wieder losgerissen, sich auf etwas anderes konzentriert, seien es nun wieder die eigenen Schuhe oder was anderes, die Entscheidung wurde ihm allerdings wieder abgenommen. Anscheinend wurde es doch noch etwas interessant. Zugegebenermaßen, momentan verhielt sich Sinh nicht besser als die starrende Masse bei einem Unfall. Interessierte das den 22-Jährigen? Kein Stück. Die Kleidung, bestehend aus dem schwarzen Mantel und dem darunter befindlichen schwarzen Hemd - ganz zu schweigen von der Krawatte, deren Verpackung meinte, sie sei olivgrün, er es aber nicht wirklich sagen konnte - wollte er sich beim besten Willen nicht dreckig machen. Wie arrogant es auch klang, das würde seine Laune nur weiter vermiesen. Deshalb; Abstand halten und zusehen.
Das einzige, was er im Ernstfall hätte tun können, wäre die Polizei kontaktieren - doch schien das mehr oder minder schon erledigt zu sein, wie sich kurz darauf schon herausstellte. Wider erwarten löste sich die Gruppe allerdings nicht auf, stattdessen fingen die Jugendlichen an, nun auch die junge Polizistin zu bedrohen, wurden sogar handgreiflich, kurz nachdem die Dunkelhaarige die Stimme erhoben hatte. Lächerlich. Auch ein Grund, weshalb Sinh mehr oder weniger damit abgeschlossen hatte, zu Gunsten der Gesellschaft zu handeln, zu helfen wo es nur ging. Was nützte es einem denn? Hätte er ein solches Verhalten jemals angestrebt, so hätte er vielleicht auch die Wege eines Polizisten eingeschlagen - wobei, nein. Wäre eine Sache des unmöglichen. Nicht, weil es ihn an Sportlichkeit oder sonstigem mangelte, nur wusste er genau, dass man mit Farbenblindheit nicht zur Polizei durfte. Das war ja schon ein Kampf gewesen, bis er den Führerschein gehabt hatte - alles wegen einer Sache, für die er nichts konnte. Schlussendlich hatte er es doch ganz gut als Sohn zweier reicher Pinkel von hohem Stande, die ihn zwar nicht durchgehend mit Geld versorgten, ihm aber dafür ein riesiges Haus und das Grundstück übergeben hatten. Verdienen tat er auf eigene Verantwortung hin - oder eben nicht.
Allzu lange spielte sich die Szene nicht ab - die junge Polizistin fand sich im Griff eines Jugendlichen wieder, konnte sich erst befreien, als eine weitere Frau zur Hilfe eilte, und wenig später hatte sich das ganze auch schon aufgelöst. Waren doch irgendwie alltägliche Szenen, die sich in einer solch großen Stadt abspielten. Leute wurden beraubt, bedroht, vergewaltigt, erpresst. Da hatte man es doch besser, gerade so weit in die Kriminalität eingeweiht zu sein, um zu wissen, wie man sich schützen konnte - und Sinh glaubte noch immer, dass er es am besten gelöst hatte. Kein Mitglied einer Gang, aber durchaus interessant für die Red Tigers. Zwar wusste er ebenso, dass es gefährlich für ihn werden konnte, die ganzen Informationen mit sich herum zu tragen, bisher war ihm das allerdings nie zum Verhängnis geworden. Und so schnell würde sich das mit Sicherheit nicht ändern. Das Klingeln seines Handys ließ ihn einen Herzschlag lang unaufmerksam werden, woraufhin auch schon jemand in ihn hineinkrachte. Kaum hob Sinh den Blick, erkannte er die junge Polizistin von vorhin, die eine schnelle Entschuldigung murmelte, dann jedoch wieder abwesend wirkte. Seine hellgrauen Augen blieben kurz an ihr haften, ehe er minimal die Stirn runzelte. "Mhm." brummte er zunächst nur, räusperte sich und schüttelte dann leicht den Kopf, nicht weiter auf die Entschuldigung eingehend. Noch während er sein Handy aus der Manteltasche zog und das Klingeln durch ein Tippen verstummen ließ, redete er auch schon weiter. "Alles in Ordnung bei Ihnen?" fragte er, wenn auch leicht desinteressiert klingend. Mit Polizisten zu reden hatte immer seine Vorteile, für ihn jedenfalls. Zudem hatte sich soeben die perfekte Gelegenheit geboten, irgendeinen belanglosen Small-Talk zu beginnen, um anschließend vielleicht das ein oder andere Thema zu vertiefen. Nicht etwa, weil er Interesse an der jungen Frau hatte - attraktiv war diese ohne Frage, doch ging es ihm nicht darum - sondern einfach, weil er wusste, dass Polizisten im Außendienst doch Wind von Dingen bekamen, die den normalen Bewohnern verborgen blieben. So huschte sein hellgrauer Blick, kaum dass er das Handy wieder zurück in die Manteltasche gleiten ließ, zu den dunklen Augen seiner Gegenüber, auf eine Antwort wartend, doch schob er noch einen Teilsatz hinterher, bevor sie die Chance dazu hatte. "-Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich das nicht in größerem Ausmaß wiederholt."
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Alessia Giordano
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BeitragThema: Re: U-Bahn Mo Feb 08, 2016 5:21 pm

Wieso schien der Tag, der so verlaufen war wie jeder andere, plötzlich eine solch rapide Wendung nehmen zu müssen? Alessia hatte sich gefreut Zuhause anzukommen und sich mit einer Flasche Wein auf ihre Couch zu werfen um ihr Singledasein vollkommen auszukosten. Das Nachtprogramm war ihres, besonders wenn das Wetter dermaßen mies wie am heutigen Tag war. Und nun schien es ihre Laune bestens widerzuspiegeln, auch wenn sie das Wetter der Ostküste schon gewohnt war. Eigentlich hatten ihr dicke Regentropfen nie etwas ausgemacht, auch kein Schnee oder dergleichen. Wohl nahm man die Umgebung anders wahr, wenn man nicht mehr im wohlgehüteten Elternhaus lebte und sein Leben wohl oder übel selbst auf die Reihe bekommen musste. Eigentlich kein Problem für die selbstständige Brünette, schließlich finanzierten ihre Eltern sie, falls sie etwas brauchte. So auch ihr Auto und ihr Motorrad. Wann hatte sie das letzte Mal ein öffentliches Verkehrsmittel genutzt? Es war sicher ein paar Monate her und eigentlich war sie damals nur in die U-Bahn gestiegen, weil sie mal sehen wollte wie New York sich im Untergrund verhielt. Zuhause jedoch, schlängelte sie sich lieber durch den unruhigen Verkehr, ging einigermaßen waghalsig mit ihrem Leben um, doch das spiegelte einfach ihren Charakter wieder.
Dass sie etwas in Gedanken war, war wohl kaum zu übersehen, denn sie schien geistig komplett abwesend. Erst als sie wieder einen stechenden Schmerz in ihrem Arm spürte, wurde sie aus ihrer Abwesenheit herausgeholt und blickte den Mann, welchen sie angerempelt hatte, mit ihren grünen Augen an. Kurz trafen sich ihre Blicke, grün auf grau - grau auf grün. Irgendwie wusste sie nicht wie sie den Mann einschätzen sollte, sein leichtes Stirnrunzeln und das schon fast genervte Brummen. Alessia war jemand, der selbst nicht gerne in eine bestimmte Schublade gesteckt wurde, tat es aber trotzdem bei anderen. Für viele wirkte sie dumm, weil sie hübsch war, für andere zu kaltherzige um auch nett sein zu können oder als verwöhnt, weil ihr Vater einen guten Beruf hatte. Menschen waren so, ob man wollte oder nicht steckten sie einen selbst in eine Schublade. Dass Alessia immer das Gefühl hatte sich vor allen beweisen zu müssen, lag wohl daran immer in die falsche Schublade gesteckt zu werden. Man konnte sie genau einordnen, ob man nun falsch lag oder nicht. Doch der Mann mit den grauen Augen, schien alles andere als einfach einzuordnen sein. Sie trat einen Schritt zurück, schaffte zwischen ihm und sich etwas Abstand und musterte ihn. Ein deutliches Stück größer als sie selbst, relativ dünn und eine selten Augenfarbe. Charakter ließ sich nicht erschließen, auch wenn er bei seiner folgenden Frage desinteressiert klang. Alessia mochte es nicht, jemanden nicht einsortieren zu können. Sie analysierte die Umgebung um sich herum immer, wollte wissen ob irgendwo Gefahren lauerten. Dass sie sich ab und an täuschte, das erwähnte sie nie. Trotzdem, die Unschlüssigkeit machte sie fertig.
Er gab ihr keine Chance auf seine Frage zu antworten, schob stattdessen noch einen Teilsatz bei. Dass sie dadurch noch immer nicht wusste, zu welcher Gruppe sie ihn stecken sollte, störte sie wirklich massiv. Und, dass sie sich am heutigen Abend so ablenken ließ. „Ich denke schon.“, murmelte sie leicht abwesend, während ihr Blick zu der Person huschte, welche sich in den Überbleibseln der Flaschen verletzt hatte. Eigentlich hätte sie helfen müssen, aber sie konnte es nicht. Zu sehr hatte sie es verwirrt, dass sie im Dienst unterlegen war und irgendwelche dahergelaufenen Zivilisten ihr haben helfen müssen. Wahrscheinlich war das Grund genug für die Amerikanerin mit italienischen Wurzeln eine zweite Flasche Wein an diesem Abend zu öffnen. Der asiatische Mann vor ihr mit dem ihr fremden französischen Akzent bekam schlussendlich wieder ihre Aufmerksamkeit. „Man sollte sich wohl nicht maßlos überschätzen, dann ließe sich das alles vermeiden.“, seufzend rieb sie sich weiter den Arm und spürte noch immer, wie sich die Finger des Jugendlichen in ihren Arm gebohrt hatten. Neun Minuten - nur noch neun Minuten, die sie hier verbringen musste. All das hätte so viel schlimmer ausgehen können und damit Alessia nicht den Gedanken bereute, hoffte sie schnellstmöglich Nachhause zu kommen. Einfach in Sicherheit, weg von anderen Menschen. Bloß konnte in New York an jeder Ecke so etwas wie eben lauern. Jeder konnte eine Gefahr darstellen, auch der Mann vor ihr, den sie noch immer eindringlich ansah. Sie war sicher keine Frau mit viel Angst, aber doch eine die gerne Ärger aus dem Weg ging. „Ich hoffe, dass es Ihnen auch gut geht.“, sagte sie schließlich und so höflich wie sich gerade noch erlauben konnte. Sie durfte nicht vergessen, dass sie bei der Polizei arbeitete und zumindest höflich nachfragen musste. Schließlich war sie so ruckartig unterwegs gewesen, dass sie ihn beinahe über den Haufen gerannt hatte nur um hier wegzukommen. Ihr war nicht danach höflich zu sein und hätte wohl am liebsten irgendwem etwas gegen den Kopf geknallt, doch hielt sie sich zurück. Der Kerl vor ihr konnte nichts für ihre plötzlich miese Laune.
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Chairo Saeyang
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BeitragThema: Re: U-Bahn Mo Feb 08, 2016 9:24 pm


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Gestaltete das soeben von Statten gegangene Ereignis seinen Tag in irgendeiner Weise besser? Ja, irgendwie schon. Nicht etwa, weil jemand zu Schaden gekommen war, sondern einfach, weil es Sinh lieber war, prügelten oder stritten sich ein Haufen Jugendlicher in einer guten Entfernung mit jemand anderem, als dass es ihn betraf. Folglich war die Gefahr, dass ihm heute doch jemand auf den Fuß treten würde, relativ gering. Und wenn das mal kein Grund zur guter Laune war, die er allerdings eher innerlich auslebte. Was sollte er seiner Umwelt mit einem breiten Grinsen mitteilen, was in seinem Kopf vorging? Nein, ansehen ließ er sich solche Dinge nicht. Wut, ab und an vielleicht, doch nutzte er das lieber zu seinem Vorteil. Das Undurchschaubare, sein Hang zur Emotionslosigkeit, die sich allerdings auch um 180° drehen konnte. So starrte er die Polizistin, deren Blick schließlich auf seinen traf, nicht einfach nur stumm an, sondern lockerte sich ein wenig. Wäre doch gruselig und alles andere als vertrauenserweckend, sollte er einfach nur starren. Außerdem, wer könnte auch durchgehend den gleichen Gesichtsausdruck bewahren? Vielleicht sah man ihm die schlechte Laune sogar ein bisschen an. Klar, heute morgen hatte er sich erst einmal aus dem Bett rollen und auf die Schnauze fliegen müssen, um ordentlich wach zu werden - und der schlaftrunkene Zustand war erst nach zwei Espresso wirklich verschwunden. Seine Gegenüber schien dagegen jetzt noch etwas geistesabwesend, doch riss sie sich anscheinend selbst wieder aus der Paralyse, trat einen Schritt und ließ den Blick über ihn gleiten, wobei Sinh ebenfalls den Moment nutzte, um die junge Frau genauer zu betrachten. Würde sie die Uniform nicht tragen, so würde der 22-Jährige wohl nicht daran glauben, dass sie bei der Polizei war. Nicht, weil er glaubte, dass sie ungeeignet für den Job war, sondern einfach, weil ihre Körpergröße und auch ihr Körperbau nicht so wirkten. Womit er nicht sagen wollte, dass sie unsportlich aussah - keinesfalls, ganz im Gegenteil. Doch wirkte ihre feminine Ausstrahlung dem strengen, vielleicht auch brutalen Image einer Polizistin entgegen. Andererseits, wer war er schon, um darüber zu urteilen? Würde man von ihm glauben, dass er noch kein einziges Mal in Asien gewesen war? Vielleicht. War aber auch irgendwie eine andere Sache.
Wirklich lange ließ sie ihn auf die Antwort nicht sagen, doch stellte sich diese als relativ nichtssagend heraus. Sie dachte schon, mh. Trotzdem nickte er langsam, fast verständnisvoll - wobei 'fast' schon nicht mehr passte. Niemand wäre tatsächlich begeistert, von einem Haufen Jugendlicher bedroht zu werden, ob Polizist oder nicht, da war sich Sinh sicher. Zudem schien der Griff ihres Angreifers relativ fest gewesen zu sein, wenn er das ständige Reiben ihres Armes richtig interpretierte. Er folgte ihrem Blick, doch blieb seine Aufmerksamkeit kaum an der verletzten Person hängen, sondern richtete sich kurz darauf wieder auf die Dunkelhaarige ihm gegenüber. "Mh, da kann ich Ihnen nur Recht geben." murrte er als Antwort, die Luft fast verärgert ausstoßend, als wolle er sein Mitgefühl zu Ausdruck bringen. Ihr Blick schien an ihm zu hängen, was ihn allerdings wenig störte. Hätte er ein geringes Selbstbewusstsein, so würde er sich nun vielleicht beobachtet oder gar angestarrt fühlen, doch machte es ihm beim besten Willen nichts aus, sollte der Blick einer Frau auf ihm ruhen - und das trotz dass er glaubte, dass es nur aus (seiner Meinung nach) Gründen des Gesprächs lag. Zudem, was sollte man sich an diesem doch recht trostlosen Bahnhof sonst schon ansehen, wenn nicht seinen Gesprächspartnerin oder, in Sinh's Fall, eben die Gesprächspartnerin. Mit einer knappen Geste der Hand schien er ihre Worte kurz abzutun. "Natürlich, das war doch nichts. Aber ihren Arm sollten Sie wohl schleunigst kühlen, aber das wissen sie bestimmt. Scheint mir öfter vorzukommen, dass es zu solchen Auseinandersetzungen kommt, nicht? Ärgerlich, wirklich." Er seufzte leicht, schüttelte minimal den Kopf und ließ, wie fast immer, den Mund ein wenig offen stehen, um zu atmen. Zwar litt er nicht unter Atemnot, doch war es für ihn eine schlechte Angewohnheit, nicht durch die Nase zu atmen. Andererseits, der Bahnhof war nicht unbedingt der geruchneutralste Ort der Stadt, ganz und gar nicht. Wenn es nicht gerade nach heißem Gummi und Metall roch, schien einem entweder das aufdringliche Parfüm der Passanten oder der Geruch nach Urin entgegen zu fliegen. Ein Ort zum Wohlfühlen war der Bahnhof also keinesfalls, trotzdem wollte er sich nicht unbedingt beschweren. Es gab weitaus unangenehmeres.
Kurz hob er den Arm etwas an, zupfte an seinem Ärmel und warf einen knappen Blick auf die Uhr, ehe er seinen Arm wieder lustlos fallen ließ. "Die Züge hatten auch schon bessere Tage, muss stressig sein." Er verschränkte unbewusst beide Arme vor der Brust, nahm eine leicht ablehnende Haltung ein, ohne darauf zu achten. Auch sein Blick glitt kurz über den Kopf der Kleineren hinweg, während Sinh sich nachdenklich auf der Unterlippe herumkaute. Wobei er es doch eigentlich gewohnt sein müsste - im Winter hatte er immerhin kaum eine andere Möglichkeit als U-Bahn, Bus oder Taxi. Doch selbst in seiner momentanen Situation war es ihm meist lieber, den Taxifahrer zu bezahlen, anstatt an irgendeiner kalten Haltestelle zu warten.
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